Um die Frage gleich hinwegzunehmen: NEIN! FInn schläft (natürlich) noch nicht durch.
Dafür kann er schon recht gut greifen und sich Sachen in den Mund stecken, im Rücken gestitzt sitzen und ganz super enorm viel Lächeln!!!
So und jetzt zum eigentlichen Thema: 3 Monate! Ab jetzt wird nicht mehr in mickrigen Wochen sondern ordentlichen Monaten gezählt! Die berühmten fantastischen sagenumwobenen alles-wird-nun-gut 3 Monate. Alles wird besser nach 3 Monaten. Sagen alle. Weil dann sind die '3-Monats-Koliken' vorbei und Baby kann endlich gscheit verdauen ohne sich dabei endlos zu krümmen und zu weinen. Und Baby ist endlich keine Frühgeburt mehr, weil es heisst ja die ersten 3 Monate sind das 4.Trimester der Schwangerschaft und Baby empfindet sich noch als Teil der Mutter.
Hm. Also ich finde nicht dass alles besser geworden ist. Manches ist sogar noch schlimmer geworden. Seit wir seit Anfang September wieder daheim in Brüssel sind, weint Finn (viel) weniger. Dafür hat sich die am Tag-Schlaf-Situation enorm verschärft da Finn mittlerweile nur mehr im Babycarrier schläft und da auch nicht immer.
Oft fragen wir uns, ob wir grundsätzlich einfach unfähige Eltern sind, die alles falsch machen oder ob wir einfach ein besonders ansprungsvolles und liebesbedürftiges Baby haben? Jedenfalls haben wir uns das anders vorgestellt:
So ungefähr hab ich mir das Leben mit Baby vorgestellt:
Baby wacht morgens auf und lächelt aus seinem Gitterbett, das in seinem eigenen Zimmer steht, heraus. Flo und ich dachten ein Baby hätte viel mit einer Handtasche gemeinsam: man nimmt es halt überall hin mit und Baby ist immer dabei, egal zu welcher Uhrzeit, egal ob zu Schlafens-oder Wachzeit. Wenn es wach ist, schaut es sich die Welt an, und wenn es müd ist, macht es die grossen Kulleräuglein zu, wenn es hungrig ist, grunzt es und ich still Baby. Abends wird Baby gebadet, in einen frisch gewaschenen Strampler gesteckt und in seine Wiege gesteckt, wo es schliesslich bei 'Guten Abend Gut Nacht' Gesang seine Äuglein schliesst. Nacht schwebe ich in Seide bekleidet ins Kinderzimmer um Baby zu säugen, bei Kerzenschein versteht sich.
Und so sieht unsere Realität aus:
Zwischen 6 und 7 reisst uns Baby Finn aus dem Schlaf indem er wild seinen Kopf hin und her wirft oder weinend an seinen Fingern kaut und mit den Armen rudert. Er kann es nicht erwarten bis Gott das Licht andreht und will sofort bespielt werden.
Nach 2 Stunden ist er dann todmüde und will schlafen. Nur leider wurde bei ihm kein Einschlafprogramm mitgeliefert und somit schreit sich Finn die Seele aus dem Leib bis er im Tragetuch einschläft (unsere horizontalen Schlafexperimente bleiben bis dato fruchtlos und stossen bei Finn auf taube Ohren und lautes nicht-enden-wollendes Brüllen).
Nach ca. 2h Schlaf beginnt die 2. Tagwache. Finn wird bespielt und unterhalten, gestillt, sitzt in seiner Wippe und schaut Papa beim Kochen zu oder unterhält sich im Baby-gym mit seinem Stoffaffen. Danach wieder ins Tragetuch für den Nachmittagsschlaf und Spaziergang mit Jenti.
Wenn Jenti an der Leine läuft, zerrt sie mich durch die Gegend dass es mich und Finn nur so nach vorne aushebt. Ist sie nicht an der Leine, fällt sie andere Hunde an, ich weck Finn auf weil ich Jenti-kacke einsammeln muss oder ihr laut hinterherrufen muss, damit sie nicht über die Strasse läuft. Am schlimmsten ist es bei Regen. Da hab ich vorn das Kind drauf geschnallt, in einer Hand die Leine, in der anderen den Regenschirm. Dann wacht Finn auf und beschliesst sein Schläfchen vorzeitig zu beenden und die Umgebung niederzubrüllen. Er wehrt sich dabei mit Händen und Füssen gegen die Enge des Tragetuchs und bearbeitet mit geballten Fäusten und rotem verschwitzten Kopf meine Brust. Dann kommen mir 2 Frauen entgegen, die ihre ruhig und artig schlummernden Kindleins im Kinderwagen vor sich herschieben. Die Frauen blicken mich teils empört teils voller Mitleid an. Jenti muss agratt dann, wenn Finn besonders will brüllt, an jedem Grashalm, jedem Blatt schnüffeln und auf jede fremde Hundewurst draufpieseln, was mich am Weitergehen hindert was wiederum Finn zu noch lauterem Schreien veranlasst weil tragen eben nur in Verbindung mit viel Bewegen, Wiegen und Rauf-und-Runter funktioniert.
Verschwitzt, entnervt, Hund, Baby und Kinderwagenmütter-verfluchend komm ich zuhause an und übergebe unsere Kinder erstmal Papa.
Abends wird dann schnell ein belegtes Brot eingeworfen und dann treten wir dem 'Verein anonymer Eltern, die mit ihrem Kind um 7 ins Bett gehen' bei. Baby baden, umziehen und dann mit viel Glück schläft Finn innerhalb einer halben Stunde ein, mit weniger Glück dauert es manchmal bis zu 2 Stunden im Bettherumgewälze und Dauerstillen. In der Nacht weckt mich Finn (wenn es mit Weinen / Schreien begleitet ist: uns) zwischen 2 (supergeile Wahnsinnsnächte!) und 6 mal (superarsch ich dreh durch-Nächte) zum Stillen. Und um 6 Uhr morgens grüßt schon wieder das Murmeltier und alles geht wieder von vorn los.
Jetzt haben wir schon 3 Monate geschafft, jetzt hanteln wir uns halt durch die nächsten 3. Wir lieben unser Kind, auch wenn ich mir nachts schon mal überlegt hab, wieviel wir für ihn wohl am Babyschwarzmarkt erzielen würden. Ich wünschte nur, ich hätte eine Perspektive, wann und ob es irgendwann wieder leichter wird.
Weil zur Zeit kann ich nicht mal jemanden zum Mittagessen treffen weil ich das ja nur im Stehen und wie eine Blöde Kniebeugen machend einnehmen könnte und das auch nur dann wenn er zufällig zum lunch-Zeitpunkt schläft. Abendaktivitäten sind sowieso nicht mehr drinnen weil ich um 7 mit Baby im Bett liege. Autofahren und gleichgesinnte Mütter treffen geht auch nicht da er dabei so laut brüllt dass ich die Dame aus dem Navigationsgerät auf höchste Lautstärke gestellt nicht mehr verstehe. Somit verbringen Flo und ich viel Zeit auf dem Hupfball um Finn in den Schlaf zu schunkeln und im umliegenden Park de Woluwe, Foret de Soignet oder im Wasserpark hoffen auf leichtere Zeiten und versuchen aus Leibes-und Herzenskräften unser Kind zu geniessen so gut und viel es eben geht.
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