Samstag, 4. September 2010

Von Blähungen und Prozessoptimierung



'Blähungen! Das ist so ein Ausruf wie früher: 'Die Hunnen!'. Man weiss nicht genau was, aber da kommt nichts gutes...' (Michael Mittermair in 'Achtung Baby')

Flo und ich waren uns da schon recht früh nach Finn's Geburt einig: Babies kommen viel zu unfertig auf die Welt. Nicht umsonst heisst es, die ersten 3 Monate nach der Geburt sind eigentlich das 4. Trimester der Schwangerschaft. Mit einem Baby kann man in den ersten Wochen und Monaten eigentlich gar nix anfangen. Es nimmt und saugt und entzieht einem jeglichen Schlaf, jede Zeit für Partnerschaft, jegliche Freizeit und jeglichen Frieden und man kriegt nix zurück. Wenn man Glück hat einen Furz aus dem Hintern. Und selbst die muss man sich hart erkämpfen bzw. er-massieren, weil Babies haben Blähungen weil sie anfangs noch nicht verdauen können und viel und laut schreien weils Bauchi weh tut.

Und dann schreien sie noch aus nicht erklärbaren Gründen. Erst wenn sie einbisl älter sind fangen sie langsam aber doch zu interagieren an.
Und so unlogisch wie Finn ist. Er ist toooooodmüde und je müder er ist, desto fuxiger wird er und desto lauter schreit er. (Zitat Flo 'Ich schreie, also bin ich.' bzw. 'Komm schon kleiner dicker Mann, schrei mich!') Statt dass er schlicht und einfach die Äuglein schliesen würde, heult er immer lauter, haut mit seinen kleinen Fäustlein auf mich ein, kratzt mich, wird hochrot und erstickt fast an seinem aufgeregten Speichelfluss. Schön ist das nicht anzuschauen. Ich werd ihn bei der nächsten Episode mal aufnehmen (in Bild und Ton) und ihm das dann zur Matura! Da hilft dann nur das Tragetuch, in dem er dann meistens augenblicklick zusammenbricht und einschläft.

Auch das Essen will gelernt sein. Mittlerweile schafft er den 'latch' schon super, aber dann hat er wieder so einen Heisshunger, dass er hysterisch schreit und dann so schnell trinkt, dass er auch Kubikzentimerweise Luft schluckt. Wenn man Glück hat, lässt er danach einen Megarülpser los, wenn nicht, schreit er schrill und windet sich. Genau - Bauchiwehweh, in OÖ 'Magenwinde' genannt.
So ein Baby soll sich mal ein Beispiel an einem Pferlein nehmen. Das flutscht raus, steht auf, trinkt und höppelt sogleich mit der Herde mit. Mein dad meint ja, es sei ein Zeichen unserer Komplexität, dass Babies gar so unfähig auf die Welt kommen. Ich seh das irgendwie andersrum. Brauchen Affen Schwarz-Weiss-Mobile? In-Utero Soundmaschinen zum Einschlafen? Zapferl in den Hintern und Bachblüten in den Mund? Osteopathen, die das Kopferl grad richten? Man muss ja nicht mal bis zu den Affen schauen. Ein Blick nach Asien oder Afrika reicht ja auch. Dort wachsen die Kinder auch ohne alles auf und trotzdem hab ich das Gefühl, sie sind zufriedener? Ist es der Elektrosmog unserer Städte, unsere Schnelllebigkeit, unsere Konsumgesellschaft, die manche Babies schon im Mutterleib belastet?

Angeblich soll es ja Zeiten geben, wo Baby besonders schwierig ist, weil es einen Wachstumsscshub durchlebt. Entweder mein Babies wächst und schiebt permament oder ich habs einfach nicht überrissen, aber ich könnt nicht sagen, dass der kleine Finnbert manchmal schwieriger und manchmal leichter wäre, es ist eigentlich jeder Tag ähnlich mühsam.

Bei einem so schlimm schreienden Baby wie dem unsrigen schwank ich ständig zwischen mich schuldig fühlen und mich fragen, was wir denn so grundlegend falsch oder anders machen und dem Annehmen der Tatsache, dass halt jedes Baby anders ist und man nicht mehr als sein Bestes tun kann und ihn in Liebe und Dankbarkeit annimmt.

Wo wir wieder bei der Akzeptanz von meinem jetzigen Leben wären und beim Entschleunigen meines Lebens. Weniger ist mehr, hat mir eine gute Freundin geraten und daran versuch ich mich auch zu halten. Blogschreiben gehört aber zu meinen wenigen Prioritäten, weil mir das hilft, zu verarbeiten und zu verkraften, was grad vor sich geht.

Um dort anzuschliessen wo ich angefangen hab: Florian meint, er würde gern mal eine Prozessoptimierung bei einem Baby programmieren. Dass sie dann schlafen können, wenn sie müde sind, dass sie das verdauen können, was sie trinken, usw. Wär DAS fein, wenn das ginge. Bis dahin müssen wir es akzeptieren, Augen zu und durch: Babies sind, das ist eine Tatsache, physiologische Frühgeburten. Sie kommen nur nach 9 Monaten auf die Welt, weil der Mamabauch sie ausspuckt weil sie sonst nicht mehr rauspassen würden. Das erklärt wohl vieles. Trotzdem werden wir nicht müde zu wiederholen, dass man Babies wohl nicht der ersten Wochen und Monate zuliebe bekommt sondern dafür, dass sie irgendwann mal kleine schlimme Fratzen werden, mit denen man auf die Alm wandern gehen kann, die die Jenti am Schwanz ziehen und denen man süße Lederhosen anziehen und Sandburgen am Strand bauen kann. Aber diese Zeit muss man sich anscheinend hart erkämpfen. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt und wir warten geduldig!