Wäre Finn nicht für jeden Ortswechsel auf seine lieben Eltern angewiesen, würde er wohl seine Strampler und ein paar Windeln in ein kleines Köfferchen packen und sich in den Süden absetzen. Denn wie es eine Mama im parents.at Forum so treffend formuliert hat, versuchen Flo und ich anscheined einwenig gar zu emsig Finn zum Schlafen zu bringen.
Zitat:
"Wenn ich den post lese, klingt es für mich so als würdet Ihr den ganzen Tag nix anderes machen als ihn Tragen, ins tuch rein, raus, Stiegen rauf und runter, Pezziball auf und ab, wiegen etc... Da würd ich als Kind irgendwann auch nur mehr weinen."
Die Ferndiagnose der guten Frau ist korrekt. Vor gut 1 Woche haben wir mit einer Beraterin der Schrei-und Schlafambulanz in Duisburg über unsere troubles mit Finn gesprochen. Die meinte:
1. wir müssen ihn unbedingt zum schlafen bringen, egal wie, egal wo, ansonsten würde sich seine Entwicklung verzögern.
unsere Realität: wir können ihn nicht zum Schlafen bringen und seine Entwicklung scheint bis dato ganz hervorragend voranzuschreiten.
2. wir dürfen ja das "Schlaffenster" nicht übersehen. Ist er da mal drüber, ist es umso schwieriger, ihn zu beruhigen und einzuschläfern.
unsere Realität: Finn schläft nur dann ein, wenn er so absolut und vollkommen fix und fertig ist und 2h über seinem Schlaffenster
3. schlechter oder geringer Tagschlaf rächt sich in schlechtem und unruhigem Nachtschlaf.
Unsere Realität: auch das hat sich für uns nicht bestätigt. Auf manche Tage mit viel Schlaf folgen Nächte mit wenig Schlaf und viel Aufwachen und umgekehrt.
Finn verweigert nämlich in den letzten Wochen das Tragetuch oder den Babycarrier immer mehr. Da er aber in den ersten 2.5 Monaten ausschliesslichh getragen geschlafen hat, standen wir nun vor dem Problem, wo er denn bitteschön sonst schlafen solle. Folgendes haben wir probiert, Resultat anbei:
1. Marsupi /Manduca: funktioniert jetzt nur mehr in Kombination mit am Pezzibär hüpfen, Flachl übern Kopf ziehen und völlige Ruhe im Raum. Vorbei die Tage wo er im Tuch geschlafen hat und ich Wäsche aufhängen oder Jenti Steckerl werfen konnte.
Erfolgschance: 95% wenn in Kombination mit Pezzibär und nach 10:00 vormittags
Vorteil: funktioniert oft
Nachteil: man hat ständig einen fast 7kg Brocken vorne draufgeschnallt und wenn er brüllt, ist das urunangenehm, er boxt und kickt auf einen ein und die Lautstärke hält man nur mit Ohropax aus.
2. Marsupi/Manduca: beim spazieren gehen draussen funktioniert das leider leider immer weniger bis in letzter Zeit gar nicht. Da es unseren Stresspegel immer so ausschlagen lässt (schwitzen wie Sau, auf und ab wippend, Kniebeugen machen, Jenti an der Leine reissen) wenn Passanten mich mit Kind schon von 1km Entfernung hören können, trauen wir uns mit dieser Variante nicht mehr ausser Haus. Schade für Jenti, die die ausgedehnten Spaziergänge geliebt hat.
Erfolgschance: bis vor kurzem 100%, jetzt 0%
Vorteil: Super mit Jenti Gassi gehen zu kombinieren, man kommt raus an die frische Luft und macht Bewegung
Nachteil: bislang keiner aber es funktioniert immer schlechter bzw. Nachteil siehe Punkt 1
3. Pucken (=ganz eng einwickeln) und zu ruhiger Musik in den Schlaf wiegen.
Erfolgschance: -10! Finn brüllt als ginge es um sein Leben! Freunde gaben uns den Ratschlag, man müsse das nur konsequent über 7-10 Tage jeden Tag 15 min. machen, dann wird das schon. Geht nicht. Halten meine Nerven nicht aus. Wusstet ihr, dass das Schreien eines Babies zu den lautesten Lauten unter den Säugetieren (oder auf der Welt? weiss ich jetzt nicht mehr, muss ich nachschauen) zählt. Die 15 min kamen mir wie 15 Stunden vor. Und was soll Finn dabei gelernt haben ausser dass wir ihn knebelnd am Arm schreien lassen?
Vorteil: theoretisch dass Kind allein schläft und man seine Zeit nutzen kann
Nachteil: funktioniert nicht!
4. Stillnickerchen: beim Stillen einschlafen. Funktioniert je nach Müdigkeitsgrad sehr gut aber leider immer nur punktgenau 30 minuten. Man kann die Uhr nach ihm stellen.
Vorteil: sehr entspanntes und ruhiges Einschlafen
Nachteil: ich muss immer dabei sein, kann mich nicht rühren und dauert maximal 40 Minuten
5. Kinderarzt-Methode: Ins Bett legen, Hand auf Bauch geben und sagen 'Du bist schon ein ganz Großer'.
Kein Kommentar. Existieren tatsächlich Säuglinge mit 3 Monaten, die dann einschlafen????
6. Mit Pezziball gepuckt einheideln und dann heimlich in den Stubenwagen transferieren. Hat schon mal funktioniert - sicher 10 Minuten oder so, dann bemerkt Finn, dass weder Körperkontakt noch Bewegung herrscht und er wacht auf.
Nachteil: dauert ewig
7. im Maxicosi schwingen. Hat funktioniert und würde es wahrscheinlich wieder aber keine sehr nachhaltige Lösung, siehe Nachteile.
Nachteil: Finn hat fast 7kg, das Maxicosi vielleicht 3? Er muss ca. 10Minuten geschwungen werden, bis er einschläft, das ist auch dem sportlichsten aller Väter nicht zuzumuten! Ausserdem wacht er innerhalb von 2 Minuten auf, wenn man aufhört zu schwingen und Maxicosi abstellt.
8. Hängematte - für Schreikinder und solche, die es noch werden wollen, der letzte Schrei (pun intended)
Dieses geile Teil haben wir uns kürzlich zugelegt nach Erfolg unter Punkt 7:
Hat ein paar mal fut funktioniert, ein paar mal in einer mittleren Katastrophe geendet.
Vorteil: ruhiges entspanntes Einschlafen wenn er mitspielt
Nachteil: man muss permanent dabei sitzen und wippen.
9. im Auto oder Kinderwagen beim Fahren oder Spazieren gehen einschlafen: no chance. Tried it all. Beim Autofahren schreit er sich die Lunge aus dem Leib als würde er gefoltert werden. Den Kinderwagen lehnt er kathegorisch ab - viel zu fad, da sieht man ja nix.
Conclusio:
Finn schläft nur entweder am Körper (stillen) oder wenn in Bewegung (Hängematte) und am längsten wenn beides kombiniert ist (am Pezzibär hüpfend im Babycarrier).
Heute war eine Freundin da, deren 2 monate altes Baby einfach am Mamaschoss sitzend eingeschlafen ist. Das hat Finn nur die ersten 2 Wochen als Neugeborener gemacht. Die konnte gar nicht glauben was wir für eine Show wir hier abziehen für unser Kind. Ihres schläft auch schon im eigenen Zimmer und wird nachts einmal gestillt. Zum Kotzen. Aber wir vergleichen ja Babies nicht mehr.
Ich wollte immer eine Mama sein, die viel mit Baby unternimmt und deren Leben nicht aufhört, nur weil sie ein Kind hat. Wenn man aber bedenkt dass ein Baby alle 2-3 Stunden schlafen sollte, wird das mit dem viel unternehmen recht schwer. Ich kann mich nicht mal eben schnell in einem Bistro halbnackt auf den Boden legen, um ein Stillnickerchen zu machen. Oder am dinner table bei Freunden auf Pezziball sitzen mit Kind vorn rumgeschnallt. Auch die Hängematte muss auf und abgebaut werden, ist sperrig, ausserdem schläft er da eh nur mit Glück ein.
Und was kann ich dagegen tun? Nichts. Es fuckt mich oft so ungeheuerlich an, dass die Situation so ist wie sie ist und wir nichts dagegen tun können und dass unser Kind so ist wie es ist und nicht anders, ausser sie bzw. ihn geduldig und liebevoll ertragen und akzeptieren.
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