

Eigentlich ist das ja kein Babythema an sich aber da es ohne Baby dieses Thema nicht gäbe wird das jetzt eben hier diskutiert.
In den nächsten Wochen und Monaten müssen wir uns entscheiden, ob wir weiter in Brüssel leben werden oder (zum 2.mal innerhalb nur 1 Jahres!) nach Garsten, in OÖ, umziehen.
Hintergrund: Wir sind in Brüssel nur bedingt glücklich, wir sind eigtl nur wegen meines Jobs dort und haben von der an sich schönen Stadt gar nichts da wir durch unser etwas anspruchsvolles Kind (zZ jedenfalls noch) an die Parks in Gehweite gebunden sind. Mein Arbeitsvertrag läuft Ende Februar aus, er wird zwar wahrscheinlich um weiter 2 Jahre verlängert aber wir überlegen was wir tun, wenn das nicht der Fall sein sollte bzw. ob wir nicht sowieso Belgien verlassen wollen.
Was spricht für Brüssel?
Ab Jänner geh ich wieder halbtags arbeiten, bin vormittags ca. 4h ausser Haus. Finn ist in der Zeit bei Papa Flo. Für einen Halbtagsjob in der EK (sprich wo ich mir sicher keinen Haxn ausreissen muss) krieg ich recht gut bezahlt.
Wir haben eine schöne Wohnung, die wir erst vor wenigen Monaten fix und fertig eingerichtet haben.
Ich bleibe im Beruf, kann Beruf und Familie ziemlich gut verbinden, zumindest theoretisch und hab gute Chancen nach der Brüssel Zeit in eine Delegation im Ausland wechseln zu könnnen.
Schokocroissants sind 1a. Wenn Finn mal bisl größer ist, können wir ans Meer fahren und in die Ardennen wandern gehen, Onkel Klausi in London besuchen fahren oder die Nähe zu Amsterdam und Paris ausnutzen.
Was spricht für Garsten?
Der Staat würde mir Geld geben dafür, dass ich bei meinem Kind daheim bleib. Ich könnte länger ausschliesslich für Finn da sein. 1 Jahr Garsten ohne arbeiten würde unterm Strich nur ca. EUR 5000 weniger ausmachen als 1 Jahr halbtags in Brüssel zu arbeiten. (Wohnungs-und Lebenskosten in Brüssel sehr hoh zu verschwindend gering in Garsten).
Lebensqualität pur= Wir haben eine eigene schöne Wohnung, die Oma wohnt gegenüber. Opa und Bruder und Freundinnen alle in nächster Nähe. Gute Landluft und traumhaften Blick auf die Berge. Viel grün wohin man schaut für lange Spaziergänge mit Jenti und Baby.
Alles ist nah (Geschäfte, Ärzte, Kindergarten) und nichts ist kompliziert. Mein Kind wächst mit Omas und Opas, Cousins und Cousinnen in nächster Nähe auf. Chance auf ein ruhiges und beschauliches Familienleben. (Die grosse Frage ist, will ich das WIRKLICH? Will ich es nur jetzt, immer oder gar nicht?)
Was spricht gegen Brüssel?
Wir sind alleine, haben zwar viele bekannte aber kaum wirkliche Freunde vor Ort. Keine Familie und keine Unterstützung was Finn betrifft. Finn sieht zum Grossteil nur Mama und Papa und wächst ohne Grosseltern und andere Familie auf.
Leben eigentlich etwas 'von der Gesellschaft ausgeschlossen' wenn man das so sagen kann. Das Halbzeit arbeiten gehen bereitet mir Sorgen und ein flaues Gefühl im Magen, mag sein, dass es aber tatsächlich einfacher wird als gedacht. Ich werd mein Kind so vermissen aber vielleicht tut es auch gut, wieder mal was anderes zu machen als Baby am Hüpfball in den Schlaf zu hüpfen und zu stillen. Oder würd ich mir später wünschen, dass ich einfach aufs arbeiten gehen gesch....hätt?
Das Heimfahren/fliegen nach Ö ist jedesmal eine Tortur.
Brüssel ist teuer, die Miete ist hoch, das Brot ist scheisse, Aufstriche grauslich, Extrawurst schmeckt zum Kotzen. Belgische Hundebesitzer sind depat.
Was spricht gegen Garsten?
Die Wohnung ist für 2 Erwachsene, 1 Baby und 1 Hund etwas klein. Kein Büro für Flo und kein Kinderzimmer.
Auch wenn ich es mir jetzt vielleicht idyllisch vorstelle, mein Kind durch die nach Mandel und Zimt (und Glühwein!) duftenden Christkindlmärkte und verschneiten oberösterreichischen Hänge zu tragen, könnte es gut möglich sein, dass mir bald die Decke aufm Kopf fällt, wenn ich im Garstner Nest sitz und 'nur' Mutter bin. Vielleicht würde ich es eine Zeit lang voll geniessen aber dann wieder nach mehr action lechzen. Und dann gleich wieder umziehen würd uns wohl um den Verstand bringen.
Der Hauptgrund der gegen Garsten spricht, ist dass ich mich bewusst aus meinem beruflichen Lebensweg ausklinke. Ich hab Angst, dass mir der Wiedereinstieg nicht gelingt oder schwierig wird. Ich hab Angst dass ich dann in Garsten picken bleib. Dass ich den Umzug nach Garsten irgendwann mal als 'Rückschritt' empfinden würde.
Es kann aber auch sein, dass es die beste Entscheidung meines Lebens wäre, mich jetzt bewusst für Familie und Kind zu entscheiden. Es würde mich zwingen, mich mit dem Thema Selbständigkeit zu befassen, mit der ich schon länger liebäugel. Ich hätte hier die Chance ein entschleunigtes und relaxtes leben zu führen, ohne Stress und richtig glücklich zu sein.
Am einfachsten wäre es, wenn mein Vertag einfach nicht verlängert würde, dann wäre uns die Entscheidung abgenommen. Aber wenn ich so auf mein Leben zurückblicke, wurden mir schwierige und richtungsweisende Entscheidungen noch nie abgenommen, ich musste sie immer selbst treffen.
Sicher ist: Halbtags arbeiten spricht für Brüssel und gleichzeitig auch gegen Brüssel. Ruhiges Wohnen im idyllischen Oberösterreich spricht für Garsten und gleichzeitig auch gegen Garsten.
Mein Kopf sagt 'Brüssel, ganz klar!', mein Herz schreit 'Bitte bitte Garsten'.
Liebe LeserInnen, Anregungen und Gedanken zum Thema jederzeit willkommen!
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