Auf Englisch heisst ja 'stillen' breastfeeding, was soviel heisst wie von, naja vielleicht eher aus der Brust essen. Das trifft es ernährungsphysiologisch doch recht gut. Doch Stillen ist unendlich viel mehr als nur Nahrung für's Baby. Und 'stillen' bringt das irgendwie viel besser zum Ausdruck, da es viel mit 'still werden' zu tun hat.
Vor Finn hab ich mir Stillen ungefähr so vorgestellt: Baby wird geboren, die nächsten 6 Monate alle 2-4h angedockt und ab dem 6. Monat und 1 Tag isst Baby dann Brei, fertig.
Ganz so einfach ist, war und wird es wohl (zumindest für mich) nicht sein.
1. ist Stillen eine Wissenschaft für sich. Es ist ein 'skill', den Mutter und Kind erst lernen müssen. (NB: Vielleicht sollt ich es neben Führerschein A,B und Teamfähigkeit auf meinen CV setzen?) Dass aller Anfang schwer ist kann ich nur bestätigen. Zwar wurde ich von blutigen und offenen Brustwarzen (wie ich es im Bekanntenkreis gehört habe) weitgehend verschont, doch würde ich lügen, wenn ich sagen würde es war nicht sehr schmerzvoll in den ersten paar Wochen.
2. Stillen ist eine wunderschöne und innige Angelegenheit zwischen Mutter und Kind. Aber eben auch NUR zwischen Mutter und Kind. Nur Mama kann mit den Brüsten aufwarten. Viele Frauen sind melancholisch bis depressiv verstimmt, wenn die Stillbeziehung nach einigen Monaten zu Ende geht. Die Kehrseite der Medaille ist aber dass man als Mama alles was mit den Brüsten zu tun hat nie abgeben kann.
Ausser stillen können Brüste nämlich noch andere enorm wichtige um nicht zu sagen essentielle Dienstleistungen erbringen, nämlich das schreiende Baby beruhigen und das müde Baby in den Schlaf befördern.
Da Finn ein Baby war/ist, das viel weint und schlecht (ein)schläft sind Mama's Brüste nun seit Monaten im Dauereinsatz: Stillen alle 2-maximal 3 Stunden am Tag, stündliches bis maximal alle 2 h stillen in der Nacht, Einschlaf-Stillen am Tag, Einschlaf-Stillen zum Schlafengehen. Richtig! Das ist verdammt viel Stillen. Da unser Kind in den Schnuller bestensfalls mal verkehrt herum hineinbeisst und auch mit einem Flascherl recht wenig anzufangen weiss bin ich darüber neben Milchkuh auch noch ein Lebend-Schnuller und es kommt nicht selten vor, dass Finn nachts 5 Minuten trinkt und dann 20 Minuten nuckelt. (Daweil lieg ich halbverrenkt und halbnackt im 18Grad Zimmer, frier mir einen runter und krieg einen Krampf vom komisch-daliegen.) Wehe ich versuch den kleinen Busen-Junkie abzudocken - dann fuchelt er wild, grunzt und sucht verzweifelt 'seinen' entfläuchten Schnuller...
Was ich mit dieser Schilderung sagen will ist, ist das Stillen neben wunderschön auch extrem mühsam sein kann. Erstens weil es einem niemand abnehmen kann und zweitens weil es Kinder gibt, die sich zu solchen Busenfans entwickeln dass es im Elternforum eine eigene Rubrik für die Mütter gibt, die versuchen wollen, ihr Kind, zumindest nachts, abzustillen. (Meine Kusine 'musste' ihr Kind stillen bis der fast 3 Jahre alt war, zum Schluss hat er ihr schon das Leiberl vom Leib gerissen und seinen Busen verlangt, weil es anscheinend bei manchen Kindern wirklich schwer ist, abzustillen.)
Ich für meinen Teil hätte nachts absolut keine Chance, Finn wieder zum Einschlafen zu bringen, würde ich ihm die Brust verweigern. Das führt manchmal dazu dass ich schon richtige Aggressionen hab, wenn er mich innerhalb von 2h 4x aufweckt (von Aufwecken kann da eigentlich eh nicht mehr die Rede sein weil ich gar nicht so schnell einschlafen kann) und ihn eigentlich -bildhaft gesprochen - lieber mit einem nassen Fetzen daschlagen würd. Stattdessen muss ich, will ich irgendwann wieder schlafen, mit ihm kuscheln und ihn stillen. Schon interessant wie Herr Natur das eingerichtet hat.
Auch wenn Finn jetzt schön langsam zu essen anfängt, werden die Stillmarathons wohl noch ein paar Monate weitergehen. Dann hoffe ich, dass Finn mit sich reden lässt und nach einigen Abenden weinen auch ohne Busen einschlafen wird. In meinem Kopf wird das passieren, wenn Finn ca. 1 Jahr alt ist. Aber es kommt doch immer alles anders als man denkt, oder?
Ich trau mich ja kaum zu hoffen aber es wäre ja auch möglich, dass er dann nachts auch nicht mehr (zwei)stündlich aufwacht. Und wenn er es doch tut, dann sind Flo und ich zumindest 'gleichberechtigt' was beruhigen angeht, weil wir dann beide die Wunderwaffe Mamabusen nicht (mehr) haben.
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