Nach 6 Monaten Karenz beginne ich nächste Woche wieder zu arbeiten und möchte den folgenden Rückblick mit euch teilen:
* Habe seit Finn's Geburt nie länger als maximal 3h am Stück geschlafen und wurde monateland nachts im Stundentakt aufgeweckt. Eine Durchschnittsnacht bedeutet ca. 6 mal stillen in 10 Stunden.
* Konnte nicht selbst bestimmen, wann ich dusche, esse, schlafe, einkaufen geh etc.
* Habe 6 Monate lang alle 2-3 Stunden gestillt, das sind in Summe ca. 200 Stunden reine Stillzeit.
* Hatte ein Familienbett bzw. ein Mama/Baby-Bett Arrangement, obwohl das so nicht geplant war
* Konnten nirgends mit dem Auto hinfahren, weil Schnipskind sich nach 5 Minuten die Seele aus dem Leib gebrüllt hat, ausser es musste unbedingt sein. (Geh halt ungern zu Fuss zum Flughafen.)
* Bin stundenlang mit Finn in der Babytrage am Hüpfball gesessen und hab dabei Serien geschaut (Greys Anatomy, Private Practice und Scrubs - meine Neuentdeckung - sehr empfehlenswert, ich musste oft so lachen, dass ich Finn versehentlich wachgelacht hab hab)
* Hab gelernt mit einem Tragetuch umzugehen und hab Finn im letzten halben Jahr im Schnitt 2h / Tag getragen, das sind rund 400 Stunden reine Tragezeit!
* Konnte in den ersten 4 Monaten keinen Kinderwagen benutzen, was Finn sich nicht weglegen ließ.
* Wir waren täglich mindestens 2 Stunden draußen, denn da hat Bub am besten geschlafen und Jenti den meisten Spass.
* Wir sind in 6 Monaten 8x geflogen - 7x ein Horror.
* Hab unfreiwillig als Lebendschnuller herhalten müssen weil Sohnemann das Original dem Schnuller bevorzugt.
* Hatte minimalstes Erwachsenenleben oder Zeit für meinen Mann weil ich gemeinsam mit Finn um halb 8 schlafen gegangen bin - nur so konnte ich den folgenden Tag irgendwie überstehen.
* Ich habe viele andere Eltern und Menschen kennengelernt, noch nie war es so leicht mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen.
* Hab zu vielen Babydingen einen haufen an Ratschlägen bekommen, manche weniger erwünscht wie andere. Hab die Erfahrung gemacht, dass jeder seinen eigenen Weg gehen muss da jedes Baby anders ist.
Insgesamt war das halbe Jahr Karenz völlig anders als geplant. Ich dachte ich würde total viel mit Sohnemann unternehmen können, Freundinnen besuchen und lustige Sachen unternehmen. Doch ich war noch nie soviel daheim wie in den vergangen 6 Monaten. Ich hatte mir die Zeit daheim schöner und aus irgendeinem Grund erholsam vorgestellt. Nix tun ausser Baby - da würde mir bestimmt schnell fad werden. Dem war nicht so. Die Zeit mit Finn war unglaublich anstrengend und kräfteraubend. Wir sind mächtig stolz und froh dass wir es schon 'so weit' geschafft haben und dass unser Bub so ein superhappy smily little trooper ist. Eine Ära ist zu Ende und ich freu mich auf eine neue Zeit, wo es gilt Famile und Beruf unter einen Hut zu bringen - piece of cake, no?
Donnerstag, 30. Dezember 2010
Samstag, 25. Dezember 2010
Finn ist ein halbes Jahr
Unser Sommer-Christkind ist heute 6 Monate alt. Wo ich im August Angst hatte, dass ich es nicht schaff bis er 3 Monate alt ist, regiert er jetzt schon ein halbes Jahr unser Leben.
Es hat sich einiges positives getan seit dem wir Ende November nach Garsten gekommen und in unsere neue Wohnung eingezogen sind: Finn ist zum 1.x in sowas wie eine Routine gefallen und schläft täglich um die frühe Nachmittagszeit rund 2 Stunden im Kinderwagen (!). Dieses für den Leser sicherlich banale Faktum erleichtert uns Eltern das Leben enorm, weil Dinge plötzlich planbar sind! Überhaupt sind die Tage wirklich schön und unterhaltsam mit ihm. Wo wir Anfang Oktober schöne Erlebnisse mit Finn noch an einer Hand (oder genauer gesagt an einem Finger) abzählen konnten, ist es jetzt genau umgekehrt da es fast ausschliesslich super mit ihm ist:
Er interessiert sich für alles, jedes Geräusch, jeden Gegenstand, alles will er untersuchen und schütteln und dann zu Boden werfen. Er ist leicht zu unterhalten, lacht laut wenn man ihm ein Spielzeug zeigt, ihm Blödsinn erzählt oder den Bauch kitzelt. Er liebt es beim Kochen zuzusehen und Jenti am Schwanz zu erwischen. Wir waren Babyschwimmen und waren stundenlang im Schnee spazieren. Oma und Opa, seine Onkeln sowie Freunde (danke Eva, Meli, Ute, Ulli und Claudia) und Verwandte haben uns oft besucht und Finn hat die vielen neuen Gesichter freundlich angelächelt (ausser meine T. Traudi, da hat er wild zu schreien begonnen, als er die sah, warum wohl? wir werden es wohl nie erfahren).
Was auch neu und mit Fewa-Wolle-gewaschen-toll ist, dass ich nach dem Bub ins Bett bringen wieder etwas Zeit für mich oder mit Florian habe bzw. mir diese nehme. Wobei nehmen der exaktere Ausdruck ist, da die Zeit tatsächlich 1:1 vom Nachtschlaf abgezwackt wird, was mich zum nächsten Punkt bringt:
Ich hab bewusst geschrieben die 'Tage' sind schön und verglichen zu was wir schon alles hinter uns haben wirklich leicht. Leider kann man das (noch) nicht von den Nächten sagen. Als ich letzens den Zahnarzt-Besuch nützte, um ein paar Minuten nachzuschlafen und auszuruhen, wusste ich endgültig, dass es an der Zeit war, etwas zu ändern. Denn nach 4 Monaten kaum länger als 2h am Stück schlafen wobei 2h schon lang sind, glaubt man irgendwann nimma daran, dass es 'von allein' besser wird.
Gott sei Dank ist hier am Land ja alles nahegelegen: Die Post ist ums Eck, der Billa nur den Berg hoch, die Natur vor der Tür, die Oma gegenüber. So war es kein Wunder, dass auch eine hellsichtige Geistheilerin in Gehweite zu uns wohnt. Die hat Finn von einer Blasenmeridianblockade befreit und meint darüber hinaus dass ich Finn 'loslassen' müsste, dann wird er bestimmt besser schlafen. Leichter gesagt als getan denn was genau unter 'loslassen' zu verstehen ist, weiss niemand so genau.
Unser 1.Weihnachten als kleine Familie haben wir auch souverän über die Bühne gebracht. Gut getimed wurde Fondue gegessen, währenddessen wurde Finn von einem zum nächsten gereicht. Dann hat Finn die Lichter am Baum bestaunt während Mama & Papa seine Packerl auspacken durften. Aus der Christmette wurde dieses Jahr leider nichts, aber für 2011 stehts an Stelle 5 meiner Vorsatzliste!
Die Zeit in Garsten war unschlagbar supergenial cool. Besonderer Dank gilt
*meiner Mama: für die exzellente Verköstigung und sonstiges rund-um-die-Uhr Mama-sein (heimlich unsere Clever-Milch gegen Tiroler Biobergbauernmilch austauschen usw.)
*meinem Papa: fürs endlose Ennsrunden drehen und fürs Kinderwagen weiterschieben wenn ich Jenti aus dem Fell eines anderen Hundes wegreissen musste.
* Claudia, die mit mir trotz Schneesturm und 80km Winböhen Kinderwagerl fahren ging, denn nur Hardcore-Mamas kommen durch.
und nicht zuletzt
*dem besten aller Ehemänner: für alles was er mir ist! Danke! Du weisst wofür!
Über-übermorgen gehts nach Brüssel zurück und man glaubt es kaum, aber ich freu mich drauf. Am 3. Jänner arbeit ich wieder! Ich freu mich drauf, gezwungen zu sein, was anderes wie Jogger und angesabberte Stillkleidung anziehen zu müssen. Eine neue Zeit bricht an und Veränderung ist immer positiv. Stillstand ist Rückschritt.
Samstag, 18. Dezember 2010
Bevor ich Mama wurde

Bevor ich Mama wurde, stolperte ich nie über Spielzeug oder machte mir Sorgen darüber, ob meine Pflanzen giftig sind. Ich machte mir nie Gedanken übers Impfen oder Biogemüse.
Bevor ich Mama wurde hab ich nie im Sommer Weihnachtslieder gesungen weil das die einzigen waren von denen ich halbwegs den Text beherrschte. Ich hab nie soviele Gute-Nacht-Lieder mit 'lalala' beendet.
Bevor ich Mama wurde hat mich nie jemand angespieben, vollgesabbert, angeschissen,
angenagt, vollgepieselt. Ich war meistens im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte.
Ich schlief jede Nacht durch. Bevor ich Mama wurde wusste ich nicht wie sich systematischer Schlafanzug anfühlt und wie sehr er meine Lebensqualität verringern würde.
Bevor ich Mama wurde, musste ich nie ein schreiendes Kind beruhigen, damit
ihm eine Ärztin ins Ohr leuchtet. Ich hatte nie in tränenüberströmte Augen gesehen und dann selbst angefangen zu weinen.
Ich war nie überglücklich über ein einfaches Grinsen. Bevor ich Mama wurde war ich vor 8 Uhr morgens nicht ansprechbar.
Bevor ich Mama wurde wußte ich nicht, wie toll es sich anfühlt, ein hungriges Baby zu stillen. Ich kannte nicht diese Bande zwischen einer Mutter und ihrem Kind.
Ich wusste nicht was eine Perzentille oder stiller Reflux waren oder ob ein Neugeborenes eher 3 oder 13kg wiegen würde. Mir fielen nie Schwangere auf und ich schaute mir nie interessiert die Kinderwägen anderer Mütter ein. Babies langweilten mich total.
Bevor ich Mama wurde hab ich nie Reihenweise Bücher über Babyschlaf und Baby's Entwicklung verschlungen und mit Leidenschaft Windeln gewechselt und deren Inhalt freudig untersucht. Ich war niemals fremdbestimmt und konnte selbst entscheiden, wann ich duschen oder einkaufen ging.
Bevor ich Mama wurde - war ich nie alle zwei Stunden wach um mein Kind zu stillen und hätte nie gedacht, dass ich mich mal über mein Baby beugen würde, um zu hören ob er noch atmet, wenn er mal länger als 3 Stunden schläft. Ich kannte nicht die Wärme, die Freude, die Liebe, die Befriedigung aber auch die Anstrengung, Überforderung, Verzweiflung und die Verantwortung des Mutterseins. Ich wusste nicht, dass ich fähig bin, so viel zu fühlen -bevor ich Mama wurde.
Ich kannte nicht das Gefühl, dass mein Herz in tausend Stücke zerbricht,
wenn ich den Schmerz nicht stoppen kann. Ich wusste nicht, dass etwas so
Kleines mein Leben so stark beeinflussen könnte. Ich wusste nicht, dass ich
jemanden so lieben kann. Ich wusste nicht, wie sehr ich es lieben würde,
Mama zu sein.
Sonntag, 5. Dezember 2010
Stillen - eine Hass-Liebe?
Auf Englisch heisst ja 'stillen' breastfeeding, was soviel heisst wie von, naja vielleicht eher aus der Brust essen. Das trifft es ernährungsphysiologisch doch recht gut. Doch Stillen ist unendlich viel mehr als nur Nahrung für's Baby. Und 'stillen' bringt das irgendwie viel besser zum Ausdruck, da es viel mit 'still werden' zu tun hat.
Vor Finn hab ich mir Stillen ungefähr so vorgestellt: Baby wird geboren, die nächsten 6 Monate alle 2-4h angedockt und ab dem 6. Monat und 1 Tag isst Baby dann Brei, fertig.
Ganz so einfach ist, war und wird es wohl (zumindest für mich) nicht sein.
1. ist Stillen eine Wissenschaft für sich. Es ist ein 'skill', den Mutter und Kind erst lernen müssen. (NB: Vielleicht sollt ich es neben Führerschein A,B und Teamfähigkeit auf meinen CV setzen?) Dass aller Anfang schwer ist kann ich nur bestätigen. Zwar wurde ich von blutigen und offenen Brustwarzen (wie ich es im Bekanntenkreis gehört habe) weitgehend verschont, doch würde ich lügen, wenn ich sagen würde es war nicht sehr schmerzvoll in den ersten paar Wochen.
2. Stillen ist eine wunderschöne und innige Angelegenheit zwischen Mutter und Kind. Aber eben auch NUR zwischen Mutter und Kind. Nur Mama kann mit den Brüsten aufwarten. Viele Frauen sind melancholisch bis depressiv verstimmt, wenn die Stillbeziehung nach einigen Monaten zu Ende geht. Die Kehrseite der Medaille ist aber dass man als Mama alles was mit den Brüsten zu tun hat nie abgeben kann.
Ausser stillen können Brüste nämlich noch andere enorm wichtige um nicht zu sagen essentielle Dienstleistungen erbringen, nämlich das schreiende Baby beruhigen und das müde Baby in den Schlaf befördern.
Da Finn ein Baby war/ist, das viel weint und schlecht (ein)schläft sind Mama's Brüste nun seit Monaten im Dauereinsatz: Stillen alle 2-maximal 3 Stunden am Tag, stündliches bis maximal alle 2 h stillen in der Nacht, Einschlaf-Stillen am Tag, Einschlaf-Stillen zum Schlafengehen. Richtig! Das ist verdammt viel Stillen. Da unser Kind in den Schnuller bestensfalls mal verkehrt herum hineinbeisst und auch mit einem Flascherl recht wenig anzufangen weiss bin ich darüber neben Milchkuh auch noch ein Lebend-Schnuller und es kommt nicht selten vor, dass Finn nachts 5 Minuten trinkt und dann 20 Minuten nuckelt. (Daweil lieg ich halbverrenkt und halbnackt im 18Grad Zimmer, frier mir einen runter und krieg einen Krampf vom komisch-daliegen.) Wehe ich versuch den kleinen Busen-Junkie abzudocken - dann fuchelt er wild, grunzt und sucht verzweifelt 'seinen' entfläuchten Schnuller...
Was ich mit dieser Schilderung sagen will ist, ist das Stillen neben wunderschön auch extrem mühsam sein kann. Erstens weil es einem niemand abnehmen kann und zweitens weil es Kinder gibt, die sich zu solchen Busenfans entwickeln dass es im Elternforum eine eigene Rubrik für die Mütter gibt, die versuchen wollen, ihr Kind, zumindest nachts, abzustillen. (Meine Kusine 'musste' ihr Kind stillen bis der fast 3 Jahre alt war, zum Schluss hat er ihr schon das Leiberl vom Leib gerissen und seinen Busen verlangt, weil es anscheinend bei manchen Kindern wirklich schwer ist, abzustillen.)
Ich für meinen Teil hätte nachts absolut keine Chance, Finn wieder zum Einschlafen zu bringen, würde ich ihm die Brust verweigern. Das führt manchmal dazu dass ich schon richtige Aggressionen hab, wenn er mich innerhalb von 2h 4x aufweckt (von Aufwecken kann da eigentlich eh nicht mehr die Rede sein weil ich gar nicht so schnell einschlafen kann) und ihn eigentlich -bildhaft gesprochen - lieber mit einem nassen Fetzen daschlagen würd. Stattdessen muss ich, will ich irgendwann wieder schlafen, mit ihm kuscheln und ihn stillen. Schon interessant wie Herr Natur das eingerichtet hat.
Auch wenn Finn jetzt schön langsam zu essen anfängt, werden die Stillmarathons wohl noch ein paar Monate weitergehen. Dann hoffe ich, dass Finn mit sich reden lässt und nach einigen Abenden weinen auch ohne Busen einschlafen wird. In meinem Kopf wird das passieren, wenn Finn ca. 1 Jahr alt ist. Aber es kommt doch immer alles anders als man denkt, oder?
Ich trau mich ja kaum zu hoffen aber es wäre ja auch möglich, dass er dann nachts auch nicht mehr (zwei)stündlich aufwacht. Und wenn er es doch tut, dann sind Flo und ich zumindest 'gleichberechtigt' was beruhigen angeht, weil wir dann beide die Wunderwaffe Mamabusen nicht (mehr) haben.
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