Montag, 25. April 2011

Die Liebe (zu unserem Sohn) ist eine Funktion über den Nachtschlaf. (Flo, 17.April 2011)



Nun ist er plötzlich 10 Monate.
Das letzte Monat stand im Zeichen des Besuchs meiner Mutter und unseren Projekten 'Leben ausserhalb des Hauses' I, II und III.
Projekt I war ein Ausflug ans Meer. Die belgische Küste ist zwar ungefähr so reizvoll wie morgendlicher Mundgeruch aber gut, man will ja nicht undankbar sein und es gibt wahrscheinlich schlimmeres. Der Ausflug war super, Finn hat brav mitgespielt und auch Jenti ist manierlich über die Strandpromenade getrippelt.
Projekt II dann der Besuch der Blumenmesse 'Floralia' in einem Schloss einwenig ausserhalb von Brüssel. Finn hat einer roten Tulpe ein paar Blätter abgerissen und dann fast die restliche Zeit geraunzt und geweint. Am Heimweg hat uns das Navi noch x mal im Kreis geschickt während wir im Auto fast zerronnen sind, aber gut, auch diesen Ausflug haben wir überstanden.
Von Projekt III sind wir eben erst zurückgekehrt: Wir waren über Ostern 4 Tage in den Ardennen (sowas wie die belgische Alpen, halt nur 250m hoch. Irgendwie ist Belgien einwenig ein Möchte-Gern-Land, zwar Meer aber der Strand ist hässlich, zwar Hügel aber kaum höher als das was ein Maulwurf ausbuddelt.) Dort gibts wunderschöne Fachwerkhäuser und rundherum Natur. Wir haben uns ein kleines Steinhäuschen gemietet, waren wandern, sind im Garten rumgetollt und haben die Gegend erkundet. Bis auf wenige Ausnahmen ein sehr gelungener Ausflug. Ich hab das wahrscheinlich beste Lamm meines Lebens gegessen, Jenti hat ihre wahre Berufung als Land- und Dorfhund gefunden, Finn hat sein 1. Osternest gefunden und Flo hat das Wandern sehr genossen und sowohl Finn im Kiwa als auch den Rest der family sicher durch die Gegend kutschiert.
Projekt IV - eine Reise nach Frankreich zu Sr. Esther ins Kloster in der Burgund steht Anfang Mai an. Auch wenn die Vorfreude auf ein Wiedersehen mit -früher- Sabine überwiegt, graut mir schon vor der 6-stündigen Autofahrt.

Finn wird immer mehr Kleinkind und ist immer weniger Baby. Er geht mittlerweile Möbel und Wände entlang, klettert Stiegen und Hosenbeine hinauf, zeigt auf Dinge, die er haben will, winkt zum Abschied und räumt seit Neuestem sein Spielzeug nicht nur aus, sondern auch wieder ein!

Unsere Hauptthemen sind z.Z. schlafen (what else is new?), abstillen (wie, wann?) und Trennungsangst.

Trennungsangst
- Finn klebt zZ enorm auf mir. Wenn ich den Raum verlasse, weint er. Wenn Florian ihn aus meinen Armen zu sich nimmt, weint er. Wenn ich in Sicht- aber nicht in Reichweite bin, weint er. Anscheinend hat er jetzt verstanden, dass er ein eigener Mensch ist, getrennt von mir und das macht ihm ganz schön zu schaffen. Ich hoffe es gibt sich bald wieder, da es doch etws mühsam ist. Vor allem Florian fühlt sich ein wenig ungeliebt ;(

Schlafen
- Finn wacht noch immer im Schnitt 3-4x auf in rund 10.5h Nachtschlaf. ;( Da die Nächte aber im Vergleich zu vorher aber besser sind und ich noch stille, kriegt er die Brust meist sehr schnell weil wir einfach alle zu müde sind um um 2 Uhr früh mit ihm zu diskutieren. Umsomehr so da Finn null komma Josef Gesprächskultur hat und lieber brüllt wie am Spiess. Ich halt das nicht aus und schon hat er wieder das erreicht, was er wollte. Was und zum nächsten Thema führt.

Abstillen - der Wunsch in mir wächst und wächst aber von langsamen abstillen, wobei über Monate hinweg eine Stillmahlzeit nach der anderen ersetzt wird, sind wir leider weit weg. Er isst zwar, aber oft nicht viel und manchmal nicht gerne. Vormittags braucht er die Brust zum Einschlafen, nachmittags wenn ich ausm Büro komm darf ich mir nicht mal die Hände waschen, er muss SOFORT an die Brust und abends schlafen gehen ohne vorher gestillt zu werden - unmöglich. Diese Situation wird sich wohl nicht von selbst sondern durch einen mehr oder weniger brutalen Akt, von uns Eltern herbeigeführt, ändern müssen und davor hab ich ziemlich Schiss.

Zu all den Themen bekomm ich natürlich Unmengen an mehr oder weniger erwünschten Ratschläge. Die, die indirekt mich verantwortlich machen und mit so Pseudo-psycho-scheisse daherkommen gehen mir am meisten auf die Eier. 'Wenn sich das Kind nicht von mir trennen kann, spiegelt es nur mein Verhalten wieder.' Aha? Und wer geht seit 4 Monaten gerne arbeiten? 'Auf einem unbewussten Level möchte ich dass Finn nachts so oft aufwacht.' Wirklich? Was isn das für eine super-Freudsche-Scheisse? Fxxx off! Bitte wer um Himmels willen wird gerne nachts alle paar Stunden geweckt und schlägt sich stundenlang mit einem Kind herum, dass sich auch zT nicht mit Stillen beruhigen lassen will um dann um 6:30 wie ein zerfranster durchrüttelter Hustinettenbär Tagwache zu schieben, Finn zu bespassen, zu kochen, ins Büro zu radeln und und und?
Alles Schwachsinn. Wobei ich damit nicht sagen will, dass es nicht bestimmt eine Wechselwirkung zwischen Eltern und Kindern gibt.
Aber Kinder sind nun mal unterschiedlich. Wobei es kein Geheimnis ist, dass es mich doch etwas ankotzt wenn alle, die rund um mich Babies rauspoppen, meinen, wie leiwand nicht alles wär, isst brav, schläft brav, spielt brav, null Problemo. Da ist ja klar dass man sich wie der Ober-loser vorkommt und solche Leute tunlichst meidet. Da fragt man sich schon oft: Entweder man macht was falsch oder die anderen lügen. Um schlussendlich zur Conclusio zu kommen, die immer zieht: Es sind eben alle Kinder unterschiedlich. Unserer wird uns für die schwierige Anfangszeit entschädigen und dafür als Volksschulkind den Hund nicht in Brand stecken und sich die Unterlippe in der Pubertät nicht piercen. Toller Trost.

Was mich zum letzten Thema dieses etwas angriffslustigen Blogeintrags bringt: Vergleiche zwischen Kindern was ihre mototrische Entwicklung betrifft.
Obwohl sich ALLE Eltern einig sind, dass Babies eben Entwicklungsschritte wie sitzen, krabbeln, stehen und gehen, lernen wenn sie eben so weit sind, ist es doch faszinierend zu beobachten, dass ALLE Eltern die motorischen Fertigkeiten Ihres Nachwuchs mit denen der anderen kids vergleichen. Ich nehme mich da ganz und gar nicht aus. Es ist wie ein Fluch, man kommt nicht drum herum. Es geht mir einfach das Herz auf, wenn Finn einem älteren Baby flux davonkrabbelt, sind an einem Sessel hochzieht und dem sich keinen Centimeter rührenden Wurm am Boden ein Spielzeug entgegenwirft. Ich seh das besonders in unserer Geburtsvorbereitungsgruppe, wo 8 Babies innerhalb von 2 Wochen zur Welt kamen. Das eine läuft schon seit 2 Monaten an einer Hand, jagt dem Hund nach und räumt Laden aus, ein anderes kann sich noch nicht mal um die eigene Achse drehen und starrt noch freudig-erregt aufs Mobile über ihm. Wir sind uns alle bewusst, dass es in gut 1 Jahr ziemlich blunzn wurscht sein wird, wer nun als erstes das Kopferl gehoben hat oder die ersten Schritte gemacht hat, denn irgendwann sind sie alle nur mehr 2-jährige kleine Fratzen. Ich, die erst mit 18 Monate selber gehen konnte aber mit 28 den Wienmarathon in 4.5h lief, bin wohl der beste Beweis. Aber bis dahin werden wir wohl weiter vergleichen und uns freuen, wenn unsere Kleinen gut gedeihen.

Ein kleiner Ausblick: Frankreich, dann Besuch meines Bruders mit seiner Freundin aus London, dann Besuch von Ute Kirsche Sonnenschein und dann gehts Ende Mai Richtung Heimat.

1 Kommentare:

ulli hat gesagt…

durch zufall bin ich auf deinen blog gestossen (ich komme auch aus steyr und ich glaube du kennst eine studienkollegin von mir, susanne trichlin) und ich muss sagen: du schreibst mir aus der seele. bin selber mama von zwei maedels (2 jahre und 2 monate) und nicht selten stelle ich mir die selben fragen wie du :)
zum nachtschlaf (da die eintraege diesbezueglich weniger geworden sind hoffe ich, dass finn nun besser schlaeft) kann ich nur sagen, dass emilia auch erst mit 1 jahr angefangen hat durchzuschlafen, mittlerweile ist sie zwei und weckt uns immer noch manchmal nachts auf. aber die guten naechte ueberwiegen deutlich - durchhalten!
wir wohnen auch weit weg von familie und freunden und darum kann ich gut nachvollziehn wies euch geht in der ferne... grad mit kindern waers schoener, wenn man die familie naeher haette... aber ihr scheint ja trotz allem euer leben gut zu meistern! :) danke fuer den blog - ich werde weiter verfolgen... liebe gruesse, auch eine ulli