(O-Ton, Flo, 16.April 2011)
Gestern war wieder so ein Tag wo ich schon zum Frühstück geheult hab (Finn kennt diese Emotion noch nicht und hat mich mit seinem neuen happy face (Nase gekreuselt, Augen zugekniffen) breit angegrinst).
Die Nacht war schlimm - er hatte von 2:50am bis 4:25am geschrien und getobt. Morgens fühlte ich mich einfach nur erschlagen und hab wehmütig von meinem Leben 'davor' geträumt. Da konnte ich an einem Sonntag bis mittag im Bett liegen, spontan sein, abends Freunde treffen.
Auch nach besseren oder sogar guten Nächten laufen bei uns die Tage mehr oder weniger gleich ab und abends, wenn Flo und ich unsere glorreichen 90min sturmfreie Babyzeit haben sind wir meistens so k.o. dass wir stumpfsinnig in die Glotze starren oder sonst wie am PC herumtipseln.
Was hab ich eigentlich früher an meinen Abenden gemacht, dass ich diese so derart vermisse? Hm. Kino, Theater, Spieleabende, Sport, kochen und Freunde einladen, fortgehen. Sind ja jetzt auch nicht DIE most exciting things ever in the world. Und doch vermiss ich diese 'carefree' Zeit. Manche raten uns zu einem Babysitter, wir sollten doch einwenig mehr auf uns schauen. Mit einem flascherlverweigerndem Stillkind ist das leichter gesagt als getan. Obwohl uns natürlich schmerzlich bewusst ist, dass unser Leben in der Heimat, mit mehr als willigen Opas und Omas ums Eck, um Lichtjahre einfacher wäre.
Obwohl die Zeit eh schnell vergeht, fühlen wir uns irgendwie wie auf 'Pause' gedrückt. Ständig sind wir am Warten, dass es leichter, einfacher, besser, einfach anders wird. Dass wir unser Leben wieder zurückbekommen.
Anfangs hiess es mit 3 Monaten wirds leichter. Da wurde es bei uns erst richtig schlimm. Dann haben wir auf 6 Monate gewartet. Granted, da wurde es leichter weil Finn zu verlässlicheren Zeiten schlief. Von einem Leben dass sich nicht ausschliesslich um Finn aber noch keine Spur.
Mein grosser Bruder hatte uns allerdinge gewarnt: Das 1.Jahr könnts abhaken, des is hart, da müssts durch. Jetzt warten wir eben darauf dass er 1 Jahr wird. Aber ich befürchte, dass es auch danach nicht recht viel anders sein wird als schauen dass er schlaft, spazieren führen, Hund gassi führen, arbeiten, essen, einkaufen und schlafen. Wenn ich mir die 1-jährigen um mich anschau, sind die circa so wie Finn nur fallen sie nicht mehr so oft um. Und das Abstillen ist auch so eine Sache, die nur dann ohne Zwang und Kampf funktioniert, wenn das Baby auch mitspielt. (Es erübrigt sich wohl zu schreiben, dass Finn nicht mitspielt.)
s what happens when you are
Daweil sagt man ja immer 'Life is what happens when you are busy making other plans'. Wir reden immer von was wir noch alles machen wollen, v.a. reisen. Nur wann? Denn die philosophische Debatte übers 2. Kind ist eine nicht zu beantwortende:
Wenn wir in 1-2 -3Jahren endlich wieder mobil sind, möchte ich nicht schon wieder schwanger werden und mit einem Säugling daheim rumhängen und Tage zählen (sorry, manche - ich früher auch - meinen: coole Eltern, coole Kinder, aber das ist einfach Blödsinn. Leider kann man die Rechnung nicht ohne den Wirt machen. Man kann noch so cool drauf sein und alles relaxed mit Kind angehen, wenn das Kind nicht mitspielt hat niemand was davon.) Aber der Gedanke jetzt bald ein 2.Kind zu bekommen und die Kindersache praktisch mit einem Aufwischen zu erledigen lässt mich auch erschauern. Ein Einzelkind ist also auch keine Adoption. Vielleicht eine 4-jährige adoptieren?
Dann gibt es da diesen anderen schlauen Spruch, der mir sehr gefällt:
"For a long time it had seemed to me that life was about to begin - real life. But there was always some obstacle in the way, something to be gotten through first, some unfinished business, time still to be served, or a debt to be paid. Then life would begin. At last it dawned on me that these obstacles were my life."
Einbisserl gehts uns so. Wir 'leben' zZ nicht wirklich sondern lassen nur die Zeit verstreichen bis, hm, bis wann eigentlich? Bis Finn endlich besser schläft, bis er alle Zähne hat, bis er krabbeln kann, gehen kann, verstehen kann usw. usf.
Gefährlich. Vielleicht finden wir ja gar nimma zurück in unser früheres Leben (oder ist das sowieso eine kindische Illusion?), oder dorthin, wo wir in Zukunft hinwollen.
Allzuschnell bleibt man im gleichen Fahrwasser hängen und schwimmt mit dem Strom: man muss arbeiten, Schulden müssen bezahlt werden, Kinder müssen in die Schule, unsere Eltern werden nicht jünger. Und plötzlich ist man 66 und dann fängt das Leben erst richtig an? Dass ich nicht lache.
Und traurig ist es auch. Weil wir könnten es ja auch geniessen. Theoretisch. Und es gibt natürlich Momente und Tage an denen wir das tun. Das was wir jetzt erleben ist halt auch 'Leben' und gehört dazu. Traurig dass ich wahrscheinlich mal auf dieses 1.Jahr meines Kindes zurückblicken werde und froh sein werde, dass es vorbei ist. Weil es hart war und weil wir recht alleine waren. Natürlich gibt es tausende Fotos von lächelnder Mama und happy baby denn die vielen tränenüberströmten Gesichter stellt ja niemand ins Internet. Was nicht heisst dass es diese vielen anstrengenden Momente nicht gegeben hat. Was aber auch nicht heisst dass alles furchtbar war - es gab auch viele schöne unvergessliche Momente.
Ohne Florian wäre es untragbar. Er ist es, der mich immer wieder zum lachen bringt. (Gestern meinte er: 'Es ist einwenig wie im Krieg. ) Mir nach einem langen Tag die Füsse massiert und mir eine Tigermilch warm macht. Der sich mit mir Ärzte-Serien anschaut, nur damit ich eine Freude hab und wir kuscheln können, obwohl er lieber Raumschiff Enterprise schauen würde. Der mir trotz Augenfalten/-ringen, mausgrauen Struwwelhaaren und angesabbertem und ange-brei-tem Jogger-Dauer-look unermüdlich sagt, wie schön ich bin und wie begehrenswert er mich findet. Meine Zickigkeiten verzeiht und sich mit nicht endend wollender Geduld bemüht verbogenes grade zu biegen und die Sonne hinter den Wolken hervorzukitzeln. Er ist mein Haupttreffer.
Oft reden wir darüber wie unser Leben denn idealerweise aussehen wird in den kommenden Jahren. Wir haben noch keine ideale Lösung gefunden, wie wir Beruf/Karriere, Familie und Welt bereisen unter einen Hut bringen können. Wie machen das andere mitteljunge Paare mit Familie, denen ein 2-wöchiger Urlaub am Bauernhof oder 1 Woche Caorle einfach nicht genüft?
Wobei wir uns einig sind, dass wir beide arbeiten um zu leben und nicht leben um zu arbeiten. Was uns zu der Frage bringt, ob wir denn überhaupt eine Karriere haben wollen bzw. wie wir 'Karriere machen' überhaupt definieren? Chef von irgendwas sein und hackeln bis weit übers Pensionsalter (wie mein Vorgesetzter?), mit 35 genug Geld gescheffelt zu haben um nie mehr arbeiten zu müssen? Schon eher. Arbeiten hält uns vom Leben ab. Eigentlich würden wir am liebsten nur unterwegs sein. Die Welt ist so gross und die Zeit die uns bleibt so begrenzt. In gut 30 Jahren stehen wir mit einem Fuss im Altersheim. Was interessiert mich da Karriere? Wenn ich dort mal gelandet bin (and I am dreading the thought), worauf möcht ich dann zurückschauen: tagein tagaus ins Büro zu laufen wie ein Schaf, oder es gewagt zu haben, bzw. das Glück und den Segen zu haben, unser Leben, zumindest ein paar Jahre lang nach unseren Vorstellungen gelebt zu haben. Kinder haben macht es da ja auch nicht leichter weil die müssen in die Schule was einen wieder ansässig macht. Aber ein Leben ohne Kinder - macht für uns auch keinen Sinn.
Soweit zu meinen Gedanken zum Sonntag. Hätte ich diesen Eintrag gestern geschrieben wäre er vermutlich noch viel dunkler geworden denn gestern war ein wahrlich schwarzer Tag. Heute, nach einer guten Nacht und einem relaxten Tag, schaut die Welt schon wieder ganz anders aus. Auch wenn die Grundfragen bleiben:
Was ist der Sinn im Leben? Was macht uns glücklich, als Person und als Familie?
Ich bin jedenfalls gespannt.
0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen