Donnerstag, 21. Juli 2011

Ein Leben in der Hölle. Fragezeichen. Rufzeichen.


Nein, ich habe keine Bank überfallen wofür ich ewig in der Hölle schmoren müsste.
Florian und ich sind drauf und dran, in die Hölle zu ziehen. Die Hölle ist ein Teil der Marktgemeinde Garsten in Oberösterreich.

Crazy? Yes please!

Warum wollen wir uns gerade dort durch Grund kaufen und Haus bauen (lassen) verschulden, wenn wir das doch auch an viel romantisch klingenderen Orten tun könnten?

1. Traumlage: kleine Siedlung am Hang, neben Wald, Bauernhof, Bach. Ruhig und sonnig. Sicht ins Grüne. In Radfahrweite nach Garsten und Steyr. Die Oma ums Eck.

2. In Zeiten wie diesen, wo Kindern die Geschenke hinten reingesteckt würden, wären diese nicht immer gut bewindelt, möchten wir unseren Kindern etwas schenken, was man nicht bei Toys R Us bekommt: eine Kindheit mit Baumhaus bauen, im Fluss Kaulquappen fangen, Schnecken züchten und Schneehang rutschen. Und zwar nicht in den 2 Wochen Urlaub am Bauernhof im Hochsommer sondern 365/365.

3. Irgendwann werden die Kleinen gross und ziehen, na eh klar, in die Grossstadt. (Nur die Jenti nicht, die möchte eine Lehre machen wenn sie gross ist und nicht studieren.)
Also denken wir mit dieser Investition auch weiter. Wo möchten Flo und ich gerne unsere Pension verbringen? Im Grünen, nahe Familie und Freunden, Wanderungen, Schitouren und Radrouten direkt vor der Tür. Ähm, yes please!

Und doch ist das besagte Vorhaben etwas crazy weil

1. Garsten???? Where the fuck ist Garsten? Ziemlich am Ende der Welt. Zumindest der Berufswelt. Weder Florian noch ist haben oder können dort was Anständiges arbeiten. Und mit anständig meine ich etwas, was unserer universitären Ausbildung und internationalen Erfahrung entsprechen würde.

Nur, wo sollen wir dann unser Heim aufbauen?
Wien, würde ja irgendwie naheliegen: da gibts auch schöne Fleckerl und sicherlich mehr Arbeitsplätze im Bereich Softwareentwicklung und internationale Entwicklung als in der Hölle. Nicht zu vergessen leben unsere meisten Freunde und die halbe Familie in wien.
Aber wenn man in Wien im Grünen wohnen muss, muss man erstens ordentlich viel blechen und zweitens erst recht mindestens 1h in die Stadt reinpendeln.

Kärnten wär unser (oder mein?) Lieblingsbundesland. Einfach genial der Mix an Bergen, Seen und die unmittelbare Nähe zu bella Italia und Kroatien. Doch die Jobaussichten sind dort wahrscheinlich genauso mies wie in Garsten und wir haben dort keine Familie und (kaum) Freunde.

Ausland? Sehr gerne und unbedingt. Aber nicht zum Eigenheim bauen und Kinder gross ziehen.

Also back to Hell.

Viele, die sich 'unser' Grundstück schon angeschaut haben, meinen, es sei ein Traum. Nur mein grosser Bruder warnt uns davor, dass die Anbindung nach Linz und Wels schlecht ist. Damit hat er schon recht. Nur leider wissen wir nicht, wie es mit uns 2 beruflich weitergehen wird. Vielleicht bleiben wir beide selbständig und arbeiten von unserer höllenmäßigen Sonnenterrasse. Vielleicht braucht Flo aber auch in 2 Jahren einen Job in Linz und muss pendeln. Ist dieses 'vielleicht' Grund genug, um unseren Traumgrund nicht zu kaufen???

Die Sache ist nämlich die. In unserer Elterngeneration und auch noch z.T. in unserer Generation (siehe mein großer Bruder, einige meiner Freunde) baut(e) man ein Haus für die Ewigkeit und länger. Die österreichische (Ziegel)hausbau-Mentalität könnte nicht konträrer sein zu den Amis, die mit ihren Wohnwagen über den Kontingent tingeln als wären es Schneckenhäuser, die in ihrem Leben gut und gerne 20x umziehen und von new York nach Virigina mal so übers Wochenende fahren (ca. vergleichbar mit Wien - Barcelona).

Florian und ich gehören nicht zu dieser 1x ein haus=immer ein Haus-Generation. Wenn wir warten, bis wir irgendwo endgültig sesshaft sein werden und wollen, warten wir recht sicher bis ins oder nachm Pensionsalter! Und warten war noch nie meine Stärke.
Worauf auch? Das Leben will jetzt gelebt werden! Ich will jetzt auf meiner Sonnenterrasse in der Hölle sitzen! Finn will jetzt im Bach spielen. Florian will jetzt jeden Sonntag Rasen mähen!
Wir ziehen das jetzt durch, erfüllen uns unseren Traum (einen Traum, nicht den einzigen Traum, wohlgemerkt) und schauen was passiert (das hat ja einmal schon supertoll funktioniert als ich mir alle meine Wiener Wohnung gekauft hab und 1 Monat später Florian kennengelernt hab und wir nach Nepal abgehauen sind).
Nein, wir schauen nicht was passiert sondern wir leben unser Leben. Wenn wir in 3 Jahren mit 2 Kindern und Hund nach Zimbawbe gehen, then so be it. Wenn ich in Steyr keine Arbeit finde, ist das umsomehr Grund, mich was die Selbständigkeit betrifft voll ins Zeug zu hauen. Wenn wir das haus schlussendlich wieder verkaufen oder vermieten, nach Wien ziehen, auch ok. Das ist Leben. Mit meinem geliebten Göttergatten an der Seite ist mir kein Abenteuer zu abenteuerlich. Wir haben die Zügel in der Hand. Hopp Hopp Hopp Pferdchen mach Galopp!

1 Kommentare:

Hofrat Geiger hat gesagt…

Hölle...wie das schon klingt. Hört sich lecker warm an! und arbeit wie "ei-heichn" gibts da sicher auch!