positiv:
1. mein Französisch ist so gut wie nie. Nach 2 Jahren Büro-teilen mit 3 Belgiern ist mein Französisch (wieder) fließend.
2. frischer Lachs und frische, saubillige Muscheln!!
3. Schokocroissants um jede Eckn
4. wir hatten großes Glück mit der Lage unserer Wohnung: in unmittelbarer Nähe zu Wald und Park, trotzdem nur 15 Radminuten in die Innenstadt bzw. ins EU-Viertel.
5. das Titres-Services System ist genial. Ohne unsere Putzfrau ging gar nichts. Wir liebten sie und vermissen sie schmerzlich.
negativ:
1. Ein Kind in Belgien zu bekommen wünsche ich niemandem. Sehr medizinisch, sehr viele unnötige Geburtseingriffe von Seiten der Ärzte. Wenig Respekt für die werdenden Eltern, wenig Vertrauen in die Kompetenz einer Frau, ein Kind gebären zu können. Ärzte sind es darüberhinaus nicht gewöhnt, dass man Fragen stellt, Dinge hinterfragt oder gar widerspricht.
2. Belgien ist ein kinder-unfreundliches und familien-feindliches Land: Babies werden mit 12 Wochen in die Vollzeitkrippenbetreuung ausgelagert. Gestillt wird wenig bzw. nicht lang. Die Kinderärzte, die ich kennenlernen durfte, hatten völlig den Beruf verfehlt.
3. Die Europäische Kommission, Vorreiterin in Sachen Gleichberechtigung der Frau sowie Frauen und Kinderrechte, hat sich in Form meiner Chefin als diskriminierende und schikanierende Behörde herausgestellt. Das Recht, länger als 20 Wochen bei meinem Kind zu bleiben, musste ich mir hart erstreiten und hat mich schlussendlich meinen Job gekostet.
4. Belgien ist öde. Das Land ist flach, die Küste samt Meer sind hässlich, das Wetter schirch, das (typische) Essen fettig, die Leute komisch. Obwohls eines der meistbesteuerten Länder der EU ist, sind die Strassen zT schlechter als in Kathmandu. Wenn es einmal schneit, wird kein Gehsteig geräumt, es herrscht blankes Chaos. Kaum eine U-Bahnstation hat einen Lift oder eine Rolltreppe fürn Kinderwagen oder schwere Koffer. Oft wird gestreikt und am Wochenende fallen die Hälfte aller U-Bahnen wegen Wartungsarbeiten aus. Radwege gibt es kaum. Belgier haben identitätsfindungsschwierigkeiten - Wallonen gegen Flamen und umgekehrt. Sprichst du versehentlich in einer flämischen Region französisch, wirst du übel angeschnauzt. Alle paar Wochen fallen die wichtigsten der Wichtigen EU-Hanseln in die Stadt ein und legen Verkehr und Stadt lahm. Essen gehen ist kaum leistbar. Es gibt kein Kaffeejoghurt, keinen gscheiten Topfen, keinen gscheiten Sauerrahm, keine Mohnnudeln, keinen Leberkäs und unsere Schoki steht der viel gerühmten belgischen Schoko in nichts nach.
5. im Ausland leben, fern von Familie und Freunden, mit kleinen Kindern ist wenig wünschenswert. Viele Bekannte, wenige Freunde. Wollte ich vor Finn soweit wie möglich weg von Steyr, habe ich mich jetzt bewusst für diesen Wohnort entschieden... und bin begeistert!
6. für die EU arbeitend werde ich von vielen Seiten angefeindet - von Belgiern, weil sie glauben ALLE verdienen sich dort viel zu viel, von Österreichern, weil sie generell (fast) alle anti-EU sind. Ich selbst bin sicherlich mittlerweile auch weniger EU-euphorisch wie noch vor einigen Jahren, trotzdem sehe ich keine bessere Alternative. Sie leistet viel gute Arbeit. Klar gibt es Missstände, Geld das verschwendet wird, faule fette Säcke, die rumsitzen und hochbezahlt sind. Aber das gibt es überall dort, wo viele Menschen in einem nicht-privatwirtschaftlichen Unternehmen arbeiten, also auch in jedem österreichischen Ministerium! Die, die über die EU schimpfen, sollten weniger Kronen Zeitung lesen und mehr versuchen, sich über andere Medien und Kanäle ein neutraleres Bild zu machen.
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