Beschissen - beschissener - beschissensten =
umziehen, umziehen mit Kleinkind, (hoch)schwanger umziehen mit Kleinkind
Unser Umzug von Brüssel nach Steyr hätte besser nicht geplant sein können. Trotzdem waren es wirklich unangenehme Wochen und ich bin sehr froh dass sie vorbei sind.
Da wir den Umzug selber zahlen mussten, haben wir alles selbst gemacht und uns nur einen LKW plus Fahrer samt Möbellift geleistet.
Schon im Dezember hab ich angefangen, jeden Abend eine Schachtel zu packen. Anfangs geht das ja leicht weil man eh soviel Scheissdreck besitzt, den man nie braucht. Eigentlich hätt ich die ersten 25 gepackten Schachteln umgschaut aufn Müll hauen können - sie würden mir sicher nicht abgehen. Als nächstes mussten die Möbel dran glauben. Wir hatten uns das ja so schön vorgestellt, dass unsere Nachmieter viele bis alle unserer Möbel übernehmen werden. Dem war nicht so. Wir durften gerade mal Spots an der Wohnzimmerdecke und den Kühlschrank da lassen, der Rest musste mit. Mitte Jänner wurde die Wohnung immer leerer und leerer.
Am Freitag (20.1.) war mein letzter Arbeitstag. Meine (kinderlose, hochbezahlte, karriere-ist-alles) Chefin faselte bei der Abschlussrede was von 'gut dass heutzutage noch wer Kinder kriegt...blablabla...irgendwer muss ja unsere Pensionen zahlen' mehr blablabla'. Davon dass sie meinen Vertrag nicht verlängert weil ich ja theoretisch NOCH ein Kind kriegen könnte und sie mich gebeten hat, auf meine Elternzeit zu verzichten und freiwillig zu kündigen, hat sie nichts erwähnt...
Egal.
Am selben Tag kam Hilfstrupp Mutti aus Wien angeflogen. Sie half uns, das letzte Chaos-Wochenende zu überstehen, hat die Wohnung geputzt, Finn bespasst, Essen gekocht und in der letzten Nacht ihre Matratze mit mir geteilt, weil meine schon im Laster nach Ternberg unterwegs war. Liebe Mutti - an dieser Stelle sei dir herzlich für deine Mühen gedankt!
Samstags wurden die letzten Möbel zerlegt und Kisten gepackt. Finn hat das ganze Pack-Theater nicht ganz so stoisch über sich ergehen lassen. Man merkte in seinem Verhalten, seinem übertriebenem an der Mama-Anklammern und seiner generellen Gereiztheit, dass ihm die ganze Sache nicht sehr geheuer war bzw. er nicht wirklich einordnen konnte, was da passierte.
Sonntag dann der grosse Umzugstag. Aus Kostengründen haben wir statt einem professionellem Umzugs-Unternehmen Adam, einen ugandesischen Gemüseimporteur/exporteur samt LKW angeheuert. Kein Vertrag, keine Versicherung, kein Problem.
Ausgemacht war dass Adam sonntags um 7:30 mit 35m3 grossen Umzugswagen vor der Tür steht um spätestens um die Mittagszeit vollbeladen die Reise nach Österreich anzugehen. Die Realität schaute etwas anders aus:
gegen 8 Uhr: sms von Adam. Umzugswagen kaputt. Er checkt grad einen Ersatzwagen, kommt gegen halb 10.
Gegen halb 10: Adam und ugandesischer Kumpane trudeln tatsächlich ein, sogar mit einem professionellem Umzugswagen (DockLX Movers), jedoch ist der circa so gross wie unser Scheisshaus. Statt 35m3 hat der DockLX Movers-van knapp 19m3!!! Erster Anfall von Herzrasen stellt sich ein.
Adam meint ganz entspannt, sie müssten halt 2 mal nach Österreich fahren, weil sie unsere Sachen (eine 120m2 Wohnung samt Mobilar!) nicht in den kleinen Laster hineinbringen werden. Dass Brüssel-Steyr rund 1000km (1 Richtung) und rund 11h Fahrzeit sind und nicht eben so mal ne Fahrt von Vorderstoder nach Hinterstoder scheint ihn nicht zu tangieren.
Als nächstes wird getüftelt, wo wir denn 50% unseres Hab und Gutes lagern könnten (wir mussten unsere Wohnungsschlüssel Montag früh abgeben), während er mit den anderen 50% im Umzugsspuckerl nach good old Austria unterwegs ist. Im Stiegenhaus? Bei den Nachbarn? Bei Adam im Wohnzimmer? In einem gemieteten Lagerraum?
Die Tüfteleien blieben ergebnislos und es wurde beschlossen, mal mit dem Einräumen in den Wagen zu beginnen, erst dann würde man sehen, wieviel Krempel wirklich überbleiben würde.
13:00: siehe da oh Wunder oh Wunder. Nach 3x LKW ein-und wieder ausräumen um alles neu zu schlichten, ist fast alles verstaut. Den Rest schleppt Adam wieder ins Wohnzimmer rauf (1 Sessel, Wohnzimmertisch, 1 Pflanze und 1 Teppich) und meint das würde er beim besten Willen nicht mehr ins Auto kriegen und er fährt jetzt los. Er könnte auch nicht, wie ausgemacht, einen 2.Mann mit nach Ö nehmen, weil die Fahrerkabine bis auf seine Sitzfläche völlig zugemüllt wär mit unseren Sachen. Und ob ich ein Vorhängeschloss hätte, weil die rechte hintere Flügeltür würde nicht zugehen, weil unsere Doppelbett-Matratze so von innen dagegen drücken würde und er Angst hat, dass mitten auf der Autobahn die Tür hinten aufspringt und alle unsere Kostbarkeiten sich aus dem inneren des wundersamen Fahrzeugs, das fast unseren gesamten Wohnungsinhalt verschluckte, entleeren würden. Nein, ich hab nur Pass, Flugtickets und Windeln, ansonsten befindet sich mein gesamter Besitz in seinem Laster.
Langer Rede, kurzer Sinn: Adam kam irgendwann montag früh in Ternberg an, samt allen unseren Sachen, traf dort meinen Vater (vielen, vielen herzlichen Dank!!!) und zusammen entladeten sie alles in knapp 2 Stunden.
Was ich daraus gelernt hab:
1. Ein Gemüseexporteur sorgt für mehr umzugs-relevante Überraschungen als ein professionelles Unternehmen. (Trotzdem sind unsere Sachen intakt in Ö angekommen, und das um 1/4 des Preises, den ein Umzugsunternehmen verlangt hätte!)
2. Afrikaner sind extrem entspannt und gelassen wenn es zu hick-ups kommt.
3. Nicht auf Vorrat kränken - Ende gut alles gut!
Sonntag abend aßen wir noch in einer völlig leeren und blank geputzten Wohnung Krammelknödel, die meine Mutter mitgebracht hatte und betteten uns dann auf Nachbar's Matratzen und Luftmatratzen zur letzten belgischen Nachtruhe.
Florian fuhr montag früh samt Tisch, Pflanze, Teppich und Sessel mit unserem Auto nach Österreich. Meine Mutter bespielte Finn und ich erledigte eine recht unangenehme Wohnungsübergabe mit Besitzer und 'Wohnungs-inspekteur'. EUR 350 Strafe für ein paar kaum sichtbare lächerliche Kratzer. Arschlöcher alle zusammen.
Als Finn und ich (und meine Mutter) dann gegen 16:00 in Richtung Österreich abhoben, verspürte ich keinen Funken Wehmut. Vielleicht war ich auch einfach zu müde dafür.
Nach 2 unspannenden Tagen in Wien betraten wir letzten Mittwoch unsere Wohnung in Garsten. Was für ein Gefühl, was für ein Geschenk. Unser (vorläufiges) Zuhause!
Finn ist nach wie vor verstört aber wir hoffen, dass wir uns alle bald eingewöhnen und wieder in eine Alltagsroutine hineinfinden. Jenti ist nach 6 Wochen 'Urlaub bei Oma' wieder bei uns eingezogen und Finn geniesst es, seine Oma so nah zu haben (übern Gang ins nächste Türl rein!). Schön dass es vorbei ist. Wie nach jedem Umzug gibts von mir ein vehementes 'Nie mehr wieder!' und obwohl ich mich da laut sebst belüge, werde ich versuchen, beim nächsten Umzug zumindest nicht hochschwanger zu sein...
1 Kommentare:
Hut ab Ulli - ich kann zwar nur den Teil Umzug & Chaos minus den Kind(ern) nachvollziehen, aber genieße die letzten Tage, bevor der zweite Zwerg zu euch kommt.
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